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Von Angst und Vertrauen


Spiegelbild Bergsee schwarzweiss Angst Vertrauen Aarau

"Vor vielen hundert Jahren sass an den Toren einer grossen Stadt eine Frau still auf einer Bank. Da sah sie eine seltsame Gestalt, einen hageren, alten Mann, in die Stadt gehen. Sie fragte ihn, wer er sei, und wohin er gehe. Der Alte sagte: „Ich bin der Tod, und ich habe die Pest mitgebracht, die tausend Menschen in dieser Stadt das Leben kosten wird.“ Und er ging langsam weiter. Tatsächlich brach in der Stadt die Pest aus und viele Menschen starben. Wochen später war die Frau in der Stadt unterwegs. Da traf sie auf den alten Mann, der sich nun zum Gehen rüstete, und sie sprach ihn an: „Ihr habt mir gesagt, dass tausend Menschen an der Pest sterben würden – aber ich habe gehört, dass schon über zehntausend Menschen den Tod gefunden haben.“ Der Mann antwortete: „Es ist wahr. Tausend Menschen sind durch die Pest umgekommen – die restlichen aber durch die Angst!" (Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna P. Nathschläger)


Es ist eine drastische Geschichte, die uns hier die verheerenden Auswirkungen von Angst vor Augen führt. Normalerweise sterben Menschen nicht unmittelbar, wenn sie sich ängstigen. Jedoch weiss man, dass ständige Angst auf Dauer krank macht: die Widerstandskraft wird geschwächt, Organe und das Nervensystem werden geschädigt und wir sind nicht mehr in der Lage, für uns günstige Entscheidungen zu treffen. Doch gerade in der heutigen Zeit ist es schwierig, sich der Angst zu entziehen. Fast könnte man meinen, sie verbreite sich unkontrollierbar, durchsetze alle Bereiche unseres Lebens, dringe stündlich in unser Bewusstsein und mache es düster und eng.

Angst und Schmerz führen irgendwann zu Wut und Hass - das weiss die Hirnforschung. Und bereits vor langer Zeit schrieb der persische Dichter Hafiz:"Angst ist das billigste Zimmer im Haus. Ich würde dich lieber besser untergebracht sehen." Ohne Einsicht sind wir dazu verurteilt, unser Leben in dieser billigen Unterkunft zu verbringen.


Zum Glück können wir uns darin üben, das Leben in Achtsamkeit zu führen und Angst und Furcht mit Weisheit zu begegnen. Was bedeutet das? Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt. Werden wir wach und präsent aktiv in genau dem Bereich, den wir beeinflussen können. Würdigen wir das Gute und Schöne, das immer auch vorhanden ist. Verlassen wir den medialen, virtuellen Raum - wenigstens für einige Stunden am Tag -, deaktivieren wir Pushnachrichten und erwachen wir im realen Leben, in das wir gestellt sind. Hier ist unsere Kraft gefragt. Hier können wir der Angst begegnen, indem wir tätig sind, helfen, unterstützen und auch Zuversicht verbreiten. Nicht im Sinne von blindem positivem Denken, sondern aus dieser Erkenntnis heraus: Was wir immer und immer wieder denken, formt unsere Welt. Es ist ein Gebot des Mitgefühls, dass wir unheilsame Gedanken durch heilsame ersetzen. (vgl. Jack Kornfield: Das weise Herz. Arkana Verlag)



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