Intuition und die 8 Eigenschaften des Selbst
Erscheint es mir nur so, oder wird viel mehr gelogen als auch schon? Es kann sein, dass ich es früher nicht so gemerkt habe; wahrscheinlich, weil man sich Müher gegeben hat, die Lüge zu verstecken, zu verschleiern. So gesehen könnte man es begrüssen, wenn unverfrorener gelogen wird, denn dann sitzt man wenigestens nicht der Illusion auf, jemand sage die Wahrheit. Gewonnen ist damit aber noch nichts, weil ich immer noch nicht weiss, wem ich was glauben kann. Oft behelfe ich mir in solchen Situationen mit meiner Intuition. Doch liege ich damit zwingend richtig?

Die von mir sehr geschätzte Kollegin Susanne Marx machte aber kürzlich in ihrem Podcast "99 Affen - Ideen für eine bessere Welt" darauf aufmerksam, dass es sehr darauf ankommt, aus welcher Ebene der Persönlichkeit das Gefühl gespiesen wird, das man als Intuition empfindet. Nicht jedes "Bauchgefühl" führt einen automatisch zur "Wahrheit" oder zur besten Lösung - das haben wahrscheinlich alle von uns schon bemerkt. Oft genug ist die vermeintliche Intuition nichts anderes als die Stimme der Gewohnheit, ein Echo tief sitzender Prägungen, die nicht immer zu unserem besten sind.
Die Yogaphilosophie schenkt uns das Modell der Koshas, der Ebenen der Lebensenergie. Sie geht davon aus, dass in jedem Wesen ein Kern verborgen liegt, den man als das SELBST bezeichnen könnte. Es ist göttlicher Natur und ist unverletzbar und unsterblich. Verhüllt und geschützt wird es von verschieden "dicht gewebten" Energiefeldern, eben den Koshas (Sanskrit: Hülle, Überdeckung, Gefäss). Die äusserste Hülle ist unser fester Körper, es folgen die feineren Hüllen der Lebensenergie und des Atems, die Ebene der Gedanken und Gefühle und diejenige der höheren spirituellen Erkenntnis. Dem göttlichen Selbst am nächsten ist die "Glückseligkeitshülle".
Zu unserem Körper, dem Atem, den Gedanken und Gefühlen haben wir in der Regel recht guten Zugang, gerade wenn wir zu den Menschen gehören, die Yoga praktizieren.
Oft wird das, was wir als Intuition bezeichnen, aus einer dieser Ebenen gespiesen, denn hier ist alles abgespeichert, was wir gelernt und gehört haben und was uns geprägt hat.
Wahre Intuition kommt aber aus einer tieferen Schicht unserer Persönlichkeit. Um diese Ebene der spirituellen Erkenntnis und Weisheit "anzuzapfen" müssen wir still werden und in uns hineinlauschen. Die Stimme des Selbst ist sehr leise und nicht immer ist sie auf den ersten Moment hörbar. Gerade wenn es um schwer wiegende Entscheidungen geht ist es wichtig sich bewusst zu sein, dass man sehr leicht alten Gewohnheiten und Prägungen aufsitzen kann, die deutlich lauter sind und oft genug schnell auf der Matte stehen, wenn es um Veränderungen geht. Hier sitzen Ängste und die Bequemlichkeit, die am liebsten wollen, dass sich nichts verändert - auch wenn es unangenehm ist.
Wie aber kann ich in Zeiten wie diesen, da Intuition immer wertvoller und vielleicht sogar unverzichtbarer wird, sicherer werden, dass mein Bauchgefühl tatsächlich aus der Ebene meines Selbst oder zumindest meiner inneren Weisheit gespiesen wird?
Aus dem englischen Sprachraum kommt eine Sammlung von "Eigenschaften des Selbst", die alle mit dem Buchstaben C beginnen. Wenn wir bei einem Entschluss oder einer Frage, die uns beschäftgt in Kontakt mit diesen Qualitäten kommen, können wir fast sicher sein, dass wir ganz nah an unserer inneren Quelle sind, die tatsächlich die Intuition speist.
Hier sind die Begriffe:
Calmness (Ruhe)
Clarity (Klarheit)
Confidence (Vertrauen)
Courage (Mut)
Compassion (Mitgefühl)
Connectedness (Verbundenheit)
Creativity (Kreativität).
Ich weiss nicht, wie es dir geht: immer wenn ich diese Liste lese, wird mir warm ums Herz. Dann öffnet sich in mir ein Raum, in dem ich Weisheit vermute.
Und so versuche ich, wann immer ich wieder einmal einer scheinbaren Wahrheit begegne, oder wann immer ich eine einigermassen gewichtige Entscheidung zu treffen habe, still zu werden, in Kontakt zu kommen mit diesem Raum und dann dort meine Frage zu bewegen. Ich bin ziemlich sicher, dass sie dort gut aufgehoben ist, wohlwollend behandelt wird und mich weiterbringt, ohne andere oder die Umwelt zu beschädigen.




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