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Geduld - schon etwas langweilig, oder?

  • karinfrey3
  • 29. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Durch eine Freundin komme ich dazu, mich mit dem Thema "Geduld" zu beschäftigen. (Kluge Freundinnen sind etwas Wunderbares: sie bringen mich dazu, über Dinge nachzudenken, die ich eigentlich gar nicht so mag - zum Beispiel Geduld.) Es gibt Aufregenderes, finde ich. Reizvolleres. Wichtigeres. Und wenn ich Bilder dazu suche, spuckt meine kluge Suchmaschine lauter Fotos von Kranken aus. Wahrscheinlich, weil sie im englischen Sprachraum sucht, wo Patient und Patience fast gleich tönen. Was das Ganze auch nicht interessanter macht. Und doch bleibe ich mal dabei - der Freundin zuliebe.



Geduld ist nicht gerade eine meiner Stärken, denke ich zuerst. Ich hab's gern zügig, bin entschlussfreudig und arbeite speditiv, was ich gut finde. Bald merke ich aber, dass das mit der Ungeduld so nicht stimmt. Mit Herzensmenschen habe ich ganz viel Geduld. Oder wenn es darum geht, etwas, das mich interessiert, zu durchdringen, zu erforschen. Muss ich hingegen etwas zusammenbauen, Farbe trocknen lassen, bevor ich weitermale, Faden einfädeln, hinter einem Traktor herfahren - dann ist mein Geduldsfaden sehr dünn und gleicht eher einer Zündschnur.

Und so kommt es, dass mich das Thema Geduld bisher eher langweilte - und jetzt stelle ich fest, dass ich mich darin geirrt habe. Sie ist eine von mir massiv unterschätzte Qualität!


Knüpfen wir an ein aktuelles Beispiel an. Ich erwarte ungeduldig (!) den Moment, da ich endlich loslegen kann mit meinen Yogaprojekten, mit meinen Vorhaben rund um das, was mich fasziniert: die Verbindung von Yoga, Kreativität und Lebensgestaltung. Loslegen kann ich, wenn der Raum fertig umgebaut ist, in dem all dies stattfinden soll. Ich erlebe hautnah, wie es ist, wenn man zwar das Ziel sieht, der Weg dahin jedoch voller Unwägbarkeiten ist und man in völliger Abhängigkeit lebt von Handwerkern und Lieferketten. Der Weg zu "meinem" Yogaraum gleicht einem Abenteuer, und es braucht Ruhe und Ausdauer für diesen langwierigen Prozess. Es ist die Geduld, die es ermöglicht, Rückschläge zu verkraften (wenn beispielsweise Messfehler der Fachleute zu Fehlproduktionen und damit Verzögerungen führen), nicht aufzugeben und auch die kleinen Fortschritte auf dem Weg wertzuschätzen. Geduld ist dabei kein passives Warten, sondern eine aktive Fähigkeit, die ich aktuell trainiere.


Jedes Vorhaben bringt Hindernisse mit sich. Geduld hilft, Frustrationen zu bewältigen und standhaft zu bleiben statt aufzugeben. Die Erfolgreichen, so sagt man, seien diejenigen, die nach Niederlagen einmal mehr aufgestanden seien. Wenn das kein Grund ist...

Ich betrachte dieses Warten als ein Training im Umgang mit dem Unbekannten, dem Unerwarteten. Und erfahre dabei, dass Achtsamkeit hilft. Sie hilft, Details zu erkennen, die ich übersehen würde, wenn ich rasch unterwegs wäre.

Es gibt auch einiges, das ich im Lauf dieses Wartens losgelassen habe. Manchmal entspringen die schnellen Entschlüsse ja einem Impuls, der sich im Nachhinein als ungut erweist.


Beim weiteren Eintauchen ins Thema lerne ich, dass Geduld sogar hilft, gesund zu bleiben, denn Geduld reduziert Stress: während Ungeduld oft zu Frustration und Ärger führt, lehrt uns Geduld, dass nicht immer alles sofort passieren muss. Wenn wir dies akzeptieren, reduziert sich der innere Stress. Und Geduld macht zufriedener. Bin ich geduldig, sitze ich die "Wartezeit" nicht einfach ab, sondern gestalte sie als Lebenszeit - und erkenne mit grosser Wahrscheinlichkeit Schönes und Sehenswertes, das im Kleinen steckt, das ich in der zielstrebigen Eile übersehen hätte.


Nichts destotrotz fällt es mir schwer, geduldig zu sein. Also möchte ich es lernen. Und das geht!

  • Zuerst soll man erkennen, in welchen Situationen genau man ungeduldig ist. Interessant finde ich herauszufinden, ob die Ungeduld aufgrund von äusserem Druck entsteht, oder ob ich ihn mir selber mache.

  • Geduld lernt man, indem man Achtsamkeit integriert. Bewusstes Atmen hilft mir, im gegenwärtigen Moment anzukommen und so auch die Kontrolle über meine emotionalen Reaktionen zu bewahren.

  • Eine weitere Zutat ist die Empathie. Durch das Einfühlen in die Lage anderer Menschen kann ich nicht nur Verständnis entwickeln für ihre Lage, sondern es wird auch die Fähigkeitr trainiert, geduldig zu bleiben, wenn die Dinge nicht so laufen wie geplant.

  • Interessant finde ich das Experiment, mich bewusst Wartezeiten auszusetzen:

    • Im Supermarkt an der Kasse die längere Schlange auswählen oder jemanden vorlassen.

    • Normalversand statt Express wählen und auf das Produkt warten.

    • Bewusst langfristige Projekte angehen, z.B. eine Sprache lernen, eine Decke stricken oder ein dickes Buch lesen.

  • Üben, mit sich selbst geduldig zu sein - z.B. indem ich mir sage, dass ich jetzt eben im Geduldstraining bin.


Ja, offenbar ist Geduld eine wichtige Zutat für ein erfülltes Leben, denn sie hilft mir, nicht nur die Zielerreichung zu würdigen, sondern auch den Weg dahin zu geniessen. Und irgendwie weiss ich es ja: Geduld bedeutet auch zu vertrauen. Zu vertrauen, dass alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist.




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