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Gehen, denken, gehen....

  • vor 11 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Hinter mir liegt meine erste Solo-Weitwanderung. 7 Tage unterwegs, ohne Begleitung, mehrheitlich allein auf weiter Flur. Ich war gespannt, wie es mir damit geht. Eine Freundin meinte, bestimmt komme man dabei ins Grübeln - so allein, stundenlang...

Ich wurde überrascht.


Allein auf weiter Flur...
Allein auf weiter Flur...

Geplant war es so nicht. Eigentlich wollten wir den Lechweg zu zweit wandern, also die 125 km dem Fluss Lech entlang, von der Quelle (bei Lech am Arlberg (A)) bis zur Mündung in Füssen (Allgäu (D)) . Dann kam der Bau dazwischen, mein Partner konnte die Bauaufsicht nicht unterbrechen, und so marschierte ich alleine los.


Es sollte nicht meine erste Weitwanderung sein. Bereits einige Male zuvor hatten wir längere Trails über mehrere Tage verfolgt, waren von einem Ort zum nächsten gewandert und legten so etliche Kilometer zu Fuss zurück. Aber schon seit einigen Monaten plante ich, einmal alleine so eine Weitwanderung zu machen, ohne meinen Gefährten, der mir jeweils treuer Wegweiser, Motivator, Gesprächspartner und Mit-Freuer ist. Dabei wollte ich es langsam angehen, den Lechweg nach längerer Wanderpause als "Probewandern" verstehen, und dann...


Nun, es kam anders. Und ich war besonders gespannt darauf, wie es ist, tagelang alleine unterwegs zu sein. Niemanden zu haben, auf den ich mich verlassen kann, ausser mich selbst. Mit niemandem mich austauschen, nur mit mir. Mich selbst zurechtfinden, motivieren, unterhalten...


Logistisch war ich bestens versorgt: mein Wanderweg war zuverlässig ausgeschildert, die Unterkünfte waren gebucht, ich musste nur noch dem Plan folgen.

Aber was würde sein mit meinem Inneren? Würde ich reflektieren, nachdenken, traurig werden, unsicher, grüblerisch?


Nein. Gar nicht. Es war ganz natürlich, einfach zu gehen, und beim Gehen da zu sein. Im Hier und Jetzt. Schritt für Schritt, Atemzug für Atemzug. Wie Meditation, aber einfacher, weil es sich so ergab. Die wenigen Male, da ich anderen Wanderern auf meinem Weg begegnete, wunderte ich mich, wie viel die redeten. Schon von weitem hörte ich ihre Stimmen, die Gesprächsfetzen wurden lauter mit ihrem Näherkommen und verklangen mit ihrem Verschwinden, und ich merkte, wie froh ich war, dass es wieder still wurde.

Auch nach einigen Tagen des Solo-Wanderns wurde mir die Stille nicht zum Feind. Besonders schön war es, wenn der Weg herausfordernd war und anstrengend. Dann kam keine Langeweile auf, was auf bequemen Schotterwegen, die es durchaus auch gab, schon einmal der Fall sein konnte.

Interessanterweise sehnte ich mich auch nicht nach Menschen und Austausch, wenn ich am Abend in die Dörfer kam, zu meinen Unterkünften.

Einzig bei den Nachtessen fehlte mir ein Gegenüber. Gemeinsam zu essen ist halt schon schön.


Nach sieben Tagen Wanderschaft kehrte ich nach Hause zurück. Und hier wurde ich ein weiteres Mal überrascht. Ich stellte fest, dass sich etliche Fragen, die ich bereits seit längerem mit mir herumgetragen hatte, geklärt hatten. Einfach so, quasi ohne mein Dabeisein. Offenbar war im Hintergrund meines Denkens und Fühlens einiges passiert, das ich nicht mitbekommen hatte. Ich war ja am Gehen, Schauen, Staunen, Auf- und Absteigen gewesen, und an den Abenden so müde und verschwitzt, dass ich auch da keine Kapazitäten mehr hatte, die über duschen, essen und schlafen hinausgereicht hätten.


Wenn ich zurückdenke, bin ich erfüllt von wunderbaren Bildern, Dankbarkeit und einer Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich freue mich auf eine nächste Wanderung mit meinem Gefährten. Dennoch ist dies bestimmt nicht meine letzte Solo-Weitwanderung gewesen, denn Solowandern ist einfach anders. Nicht besser, nicht schlechter als zu zweit, aber einzigartig. Nur zu empfehlen!



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