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Biografien lesen - eine gute Sache!

Massenmedien und Dichtestress zum Trotz - sehr viele Menschen, gerade bei uns im Westen, suchen Einzigartigkeit in ihrem Leben. Einige suchen sie durch ausgefallene Selbstdarstellungen in den Social Media. Andere suchen das Einzigartige im Rahmen ihrer Biografie und möchten es leben. Doch wie gestalten sich einzigartige Leben? Inspirationen finden kann man, wenn man Biografien liest. Einige tolle Exemplare liegen gerade auf meinem Lesetisch.

Jedes Leben ist einzigartig. Eigentlich wissen wir das. Und doch suchen ganz viele von uns das Eigentliche, das ihr Leben ausmacht, ganz explizit. Es ist, als würden sie einem inneren Rufen folgen, das sich ganz schüchtern und leise aber doch hartnäckig immer wieder hören lässt. Dieser Impuls ist sehr wertvoll. Oft ist man unbestimmbar unzufrieden, erlebt einen unbenennbaren Mangel - obwohl man doch alles hat. Anstatt sich abzulenken mit Essen, Einkaufen oder Arbeiten kann es sich lohnen, diesem Unbehagen einen Moment standzuhalten und sorgfältig hinzuhören. Nur: worauf soll ich denn eigentlich achten? Worauf genau könnte ich meine Aufmerksamkeit lenken?


Ich habe festgestellt, dass mir die Beschäftigung mit dem Leben anderer Menschen dabei hilft, das meinige besser zu verstehen - und auch zu gestalten. Einfach indem ich Erfahrungen sammle: wie gestalten andere Menschen ihr Leben? Wie sind sie dazu gekommen, das Einzigartige ihres Lebens zu erkennen? Wie sind sie ihrem Stern gefolgt?


Als Leseratte durchforste ich gerne Zeitschriften nach Literaturempfehlungen oder folge denen, die in guten Podcasts ausgesprochen werden. Gerade jetzt liegen einige ausgezeichnete Exemplare auf meinem Lesetisch. Es sind Biografien von Kunstschaffenden, die Spiritualität und Malerei verbunden und um ihre eigene Sprache gerungen haben.


  • Hilma af Klint ist eine schwedische Malerin des frühen 20. Jahrhunderts, die in den letzten Jahren von sich Reden macht. Nachdem sie ihr Werk für zwanzig Jahre nach ihrem Tod wegschliessen liess, ist es nun aufgetaucht - und versetzt die Kunstwelt in Staunen. Vor rund 100 Jahren hat diese Frau Bilder gemalt, die damals einzigartig waren - und die frappierend gut in unsere heutige Zeit passen. Sujets, Farben, Ausdruck - sie verweisen auf Inspirationsquellen, die grossteils aus ihr selbst schöpfen. Oder eben aus der geistigen Welt, wie sie selbst es bezeugt. Julia Voss hat eine wunderbare Biografie dieser Künstlerin in ihrer Zeit geschrieben, die sich leicht liest, sorgfältig und wunderschön illustriert ist und verstehbar macht, wie Zeitgeschehen, innerer Ruf und gelerntes Handwerk sich zu etwas Grossartigem verbinden können. Julia Voss: "Hilma af Klint - Die Menschheit in Staunen versetzen". S. FischerVerlag, 2020.

  • Caspar David Friedrich war ebenfalls Maler, lebte aber rund 100 Jahre früher als Hilma af Klint. Auch er lebte an der Ostsee, allerdings in Deutschland. Auch seine Bilder haben erst kürzlich wieder von sich Reden gemacht, aber nicht, weil sie weggeschlossen gewesen wären, sondern weil sie in Vergessenheit geraten waren und jetzt erneut auf unerwartete Aufmerksamkeit stossen. In Deutschland werden gerade gross angelegte Ausstellungen gezeigt, die vor rund einem Jahr im Kunstmuseum Winterthur uns Schweizerinnen und Schweizer begeisterten. Florian Illies hat im vergangenen Jahr die viel beachtete Biografie dieses Malers vorgelegt: "Zauber der Stille - Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeit".. S. Fischer Verlag. 2023. Wie Julia Voss versteht es Florian Illies, den Künstler in seiner Zeit zu zeigen, zu zeigen, wie dieser Mensch gerungen hat um den Ausdruck des Besonderen, dessen, was ihn wirklich bewegt und berührt. Auch hier finden wir Schilderungen davon, wie sich Zeitgeist, innerer Ruf und Handwerk verbinden und einen ureigenen Ausdruck finden.


Nun denkst du vielleicht, dass du sicherlich keine grossartige Künstlerin bist, und dass dein Leben sicher nicht so spektakulär ist, dass sich jemals eine Biografie darüber schreiben liesse. Die Empfehlung, Biografien zu lesen, bezieht sich auch nicht auf diesen Anspruch. Vielmehr geht es darum, einem Menschen zu folgen, der seinerseits etwas grösserem folgt, nämlich dem, was ihn antreibt. Biografien zeichnen Lebenswege nach, die meist verschlungen waren und schwer zu gehen. Dass sie gegangen wurden hat damit zu tun, dass der innere Ruf dieser Menschen so laut war, dass sie auf ihn hören mussten.

Nicht jede von uns hat dieses Schicksal. Aber in jedem von uns steckt der tiefe Wunsch, sich selbst zu verwirklichen, das Einzigartige in die Welt zu bringen.


In diese Richtung zielt mein letzter Lesehinweis. Michael A. Singer hat bereits vor einigen Jahren den Bestseller "Die Seele will frei sein - Eine Reise zu sich selbst" geschrieben. Er ist in den heutigen USA den Weg des Yoga und der Meditation gegangen, und hat für sich und andere erforscht, wie Selbterkenntnis und Erfüllung möglich sind. Seine Bücher sind immer wieder lesenswert - gerade für diejenigen von uns, denen ihre spirituelle Entwicklung ein Herzensanliegen ist.


Biografien zu lesen ist eine gute Idee - vielleicht gerade auch im Sommer, wenn man ein wenig Zeit hat, wenn es diese stillen Momente der Mittagshitze gibt oder der langen Abende in der Dämmerung, in denen man gerne ein Buch zur Hand nimmt. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen - oder beim Entdecken von Biografien von Menschen, die das gemacht haben, wovon du noch träumst.

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