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Mut

"Geliebt zu werden, macht uns stark. Zu lieben, macht uns mutig." Der erste Teil dieses Gedankens von Laotse ist vielen von uns geläufig. Genauso lohnt es sich aber, über den zweiten Teil nachzudenken.



Es ist eine Werbekampagne, die mich zu diesem Beitrag führt. Überall in unserer Region finden sich Plakate, die über den Umgang mit einer schweren Krankheit informieren. In diesem Fall ist es Krebs. Nebst den ansprechenden Bildern ist es vor allem das Wortspiel, das mich berührt. Es sind Begriffe mit der Endsilbe -mut, die einander gegenüber gestellt werden. "Schwermut, Wehmut, Missmut, Unmut" stehen "Demut, Anmut, Sanftmut, Lebensmut" gegenüber. Die eine Wortgruppe verbinde ich eher mit negativen Gefühlen, die andere mit positiven. Besonders interessant finde ich jedoch, dass hier deutlich wird, dass Mut auch eine sanfte Komponente hat.


Mutige Menschen, denken wir vielleicht, kämpfen für andere Menschen oder eine Sache. Sie stellen sich ihren Ängsten und überwinden diese. Sie sind tapfer und stark. Dafür gibt es viele Beispiele. Wenn wir dem Gedanken Laotses folgen, entstehen wahrscheinlich zuerst Bilder starker Kämpferinnen und mutiger Kämpfer dieser Art in uns.

Besagte Plakatkampagne weist aber darauf hin, dass gerade im Umgang mit Einschränkungen und Krankheit - es muss ja nicht gerade eine lebensbedrohliche Krankheit sein - der liebevolle (und deshalb nicht weniger mutige) Umgang mit sich selbst und den aktuellen Beschwerden zu Lebensmut führen kann.


Im Yogaunterricht lernen wir, unseren Körper, unsere Gedanken und Gefühle mit liebevoller Freundlichkeit zu beobachten. Bereits hier können wir üben, einer Einschränkung oder Blockade, unangenehmen Gefühlen oder wild tanzenden Gedanken mit Geduld zu begegnen, freundlich anzunehmen, was ist. Missmut und Unmut über das Misslingen führen oft zu harten Massnahmen wie Zerren, Pressen, Übergehen von Schmerzsignalen. Damit werden wir auch innerlich hart.

Nehmen wir doch einmal die Begriffe "Demut, Anmut, Sanftmut" in unsere Yoga- oder Meditationspraxis und beobachten wir, was sich damit verändert. Versuchen wir, unseren Körper und Geist so zu lieben, wie sie sind. Behandeln wir uns selbst wie unsere beste Freundin, unseren besten Freund. Versuchen wir, dem sanften Aspekt des Mutes Raum zu geben.

Es macht einen Unterschied, da bin ich sicher.

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