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Glück und Freude im Yoga





ANANDA – absolute Glückseligkeit, dauerhafte Freude. In den Yogaschriften findet sich für diese Sehnsucht vieler Menschen sogar ein eigener Begriff. Lächeln und Lachen sind körperliche Ausdrucksformen dafür, die ja auch gesund sein sollen. Doch was, wenn uns nicht ums Lachen ist?


Lachen wird meist in Verbindung gebracht mit Glück, mit Freude. Wenn wir glücklich sind, drücken wir dies aus mit Lachen. Wenn wir traurig sind, machen sich unsere Gefühle Luft durch Weinen. Glück und Unglück – beide wirken offenbar auf das Zwerchfell, das uns hilft, unsere Gefühle zu regulieren, auszugleichen. In der Antike wurde das Zwerchfell «Seelenmuskel» genannt, weil unser emotionaler Ausdruck, insbesondere Lachen und Weinen, unmittelbar vom Zwerchfell getragen sind.

Und weil Lachen gesund ist gibt es mittlerweile einen Welt-Lachtag, eine Lachgesell-schaft und auch Lach-Yoga. Wir sollen lachen, heisst es da. Es werden Glückshormone ausgeschüttet, der Stoffwechsel wird angeregt und die Widerstandskraft wächst.


Jedoch sind beide, grosses Glück und grosse Traurigkeit, meistens vorübergehende Zustände. Kaum ein Mensch kann tagelang überglücklich sein, genauso, wie die Woge grösster Traurigkeit meist nach einigen Stunden abebbt.

Und doch streben wir nach diesem Glück, haben wir sogar manchmal das Gefühl, einen Anspruch auf Glücklichsein zu haben. Was tun wir nicht alles, um dieses Glück zu finden. Und wenn wir es erfahren, zu halten. Dass dies auf Dauer nicht gelingt, wissen wir alle zur Genüge.


Die Yogaphilosophie kennt die «Glückseligkeit» - ANANDA. Der Begriff kommt aus dem Sanskrit und bedeutet gemäss Yoga-Wiki «vollkommene und höchste Glückseligkeit, Wonne, wahre und dauerhafte Freude, unbeeinträchtigte und absolute Seligkeit, die aus sich selbst existiert und nicht durch äußere Dinge bedingt ist.» Das ist es doch, wonach wir alle insgeheim streben – oder nicht? Durch den Yoga könne der Mensch diesen Zustand erreichen, heisst es.

Der Weg dahin ist aber ein Schulungsweg, der stark auf Verinnerlichung zielt. Es ist ein langer Weg, den nicht viele Menschen gehen wollen und gehen können. Was dann?


Vielleicht ist es ja gar nicht die grosse Glückseligkeit, die wir im Alltag anstreben sollen. Vielleicht sind wir schon gut bedient, wenn wir uns um einen anderen Geisteszustand bemühen, den die Yogaschriften ebenfalls beschreiben: den ausgeglichenen Geist, den CITTA PRASADANA (Yoga Sutra 1.33). Dieser Geist wird beschrieben als ein stabiler, freundlicher Ort, der uns Zuflucht und Unterstützung sein kann. Ein Ort, wo wir zur Ruhe kommen können. Oft genug ist es dann möglich, dass wir aus diesem Zustand das Hier und Jetzt ohne Einschränkungen wahrnehmen können. Das Hier und Jetzt mit all dem Schönen, das immer auch vorhanden ist. Und nicht selten sind es diese Momente, in denen uns Glücksgefühle geschenkt werden. Sie tauchen auf als Geschenk, erhellen den Moment - bleiben und vergehen. Und wenn wir sie zu halten versuchen, entschwinden sie.


Auch wenn uns nicht ums Lachen ist: wir können uns immer in Gleichmut üben, unseren Geist zur Ruhe kommen lassen, uns dem verlässlichen ruhigen inneren Strom zuwenden, der immer da ist. Atem- und Bewegungsübungen des Yoga helfen uns dabei, und uns so immer mehr dem Leben und uns selbst zu stellen. Dann sind wir auf dem Weg zu dauerhafter Zufriedenheit, die nicht so feurig und heiss funkelnd ist, wie das grosse Glück, aber doch angenehm wärmen kann, wie ein stetig strahlender Ofen.

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