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Die innere Ärztin mobilisieren - oder: "Ich kann das!"

Auch die moderne Medizin ist uneingeschränkt darauf angewiesen: auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Eigentlich kann man sagen, dass die Ärztin mit ihrem Können vor allem den Weg bereitet dafür, dass der Körper beginnt, sich selbst zu heilen. Dabei ist der Arzt darauf angewiesen, dass ich als Patientin diesen Prozess zulasse, initiiere, unterstütze. Noch viel mehr gilt dies für die Prävention von Krankheit. Hier bin ich absolut gefordert. Zentral dabei ist meine Überzeugung, dass ich das überhaupt kann. Ein Plädoyer für die Selbstwirksamkeitsüberzeugung!

Heute heisst es "Body-Mind-Medizin". Doch bereits die alten Yogaschriften, zwei- bis dreitausend Jahre alt, beschreiben die Einheit von Körper und Geist, ihr in einander verwoben sein, ihre gegenseitige Beeinflussung. In der Yoga-Philosophie finden die verschiedenen Ebenen der Existenz ihre bildhafte Darstellung im KOSHA-Modell. Darauf beruht die gesamte Yogapraxis, die damit arbeitet, dass jede Intervention auf Körperebene unser Denken und Fühlen beeinflusst, und umgekehrt.


Vielleicht ist es dieser Aspekt, der Yoga zu so einem wirksamen Instrument der Selbstfürsorge und auch der Gesundheitsförderung macht. Die genannte Body-Mind- Medizin definiert vier Säulen, auf denen Prävention und Gesundheit ruhen. Der Neurowissenschafter, Mediziner und Zufriedenheitsforscher Tobias Esch bringt sie auf die Kurzformel BERN, ein Akronym. Dabei steht jeder Buchstabe für einen Begriff:

Behavior (Verhalten); Exercise (Bewegung); Relaxation (Entspannung und Schlaf); Nutrition (Ernährung). Dieses Konzept ist schon älter und vielen bekannt. Unterdessen wurde weiter geforscht, und man ging der Frage nach, welcher dieser Aspekte am wirksamsten sei. Dabei zeigten sich Effekte, die für unser alltägliches Leben und unser Wohlbefinden von grösster Wichtigkeit sind:


Es ist die Überzeugung, dass ich tatsächlich Einfluss habe. Es ist mein Denkverhalten, das den Unterschied macht. Wie schaue ich auf die Welt und mich selbst? Traue ich mir zu, selbst etwas für meine Gesundheit und mein Wohlergehen zu tun? Fühle ich mich kompetent dafür, mit den Anforderungen meines Lebens umzugehen? Kann ich sogar schwierigen Lebensphasen Sinn abgewinnen? Kann ich dankbar sein für die vielen gelingenden, schönen Elemente meines Lebens, die sogar inmitten von Krisen existieren? Tobias Esch ordnet diesen Aspekt dem Verhalten (Behavior) zu. In einem Interview formuliert er es sehr schön, schon fast poetisch: "Das Glück hat es leichter, dich zu finden...", wenn du davon überzeugt bist, etwas selbst gestalten zu können, und wenn du dankbar sein kannst.


Bereits vor mehreren Jahrzehnten hat der Soziologe Aaron ANTONOVSKY das Prinzip der SALUTOGENESE entwickelt, eine Antwort auf die Frage, was Menschen gesund hält. Auf diesem Boden gedeihen Forschungen zur Gesundheitsförderung, die Body-Mind-Medizin, Prävention. Zentraler Faktor auch da: die Selbstwirksamkeitsüberzeugung, also die Überzeugung, dass mein Verhalten einen Unterschied macht. Dieses Konzept meint NICHT, dass der Mensch Schuld daran trage, ob er krank werde oder nicht. So ein Schluss wäre viel zu kurz gegriffen. Vielmehr beschreibt es die Mitverantwortung des Menschen für sein Wohlbefinden inmitten der Einflüsse von innen und aussen, die wir nicht steuern können.


Und so kommt der Überzeugung "ICH KANN DAS!" eine Schlüsselbedeutung zu. Denn erst, wenn ich davon überzeugt bin, dass mein Verhalten einen Unterschied macht, werde ich aktiv. Sie ist der erste, unverzichtbare Schritt, dem alle anderen folgen. Erst wenn ich daran glaube, dass ich selbst Teil der Lösung bin, melde ich mich beispielsweise an für eine Yoga-Probelektion, überlege ich mir, ob es eine Entspannungsmethode gibt, die mich anspricht, studiere ich ein vegetarisches Rezept, stelle ich eine Flasche mit Leitungswasser neben meinen Bildschirm, damit ich genügend trinke. Dies alles gilt, wenn es darum geht, gesund zu bleiben. Noch viel grössere Bedeutung kommt dieser Überzeugung zu, wenn man krank ist. Der Arzt, die Ärztin kann Krankheitsprozesse stoppen, Schmerzen lindern helfen. Das Heilen aber muss er oder sie dem inneren Arzt jeder Patientin, jedes Patienten überlassen. Diesen zu mobilisieren ist unsere eigene Aufgabe. Er ist da - wir müssen ihm nur die Türe öffnen. Das Zauberwort lautet:"ICH KANN DAS!"


Mehr dazu findest du hier

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