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Der Körper ist mehr als das Gestell für den Kopf

Unser Verhalten, uns selbst oder anderen gegenüber, wird massgeblich bestimmt durch unsere Selbststeuerungsfähigkeit. Der Schlüssel dazu liegt nicht nur im Kopf. Ohne gute Körperwahrnehmung gibt es weder Selbst- noch Sozialkompetenz. Wie man diese trainieren kann, erfährst du hier.

Emotionen sind Vorgänge im Körper. Sie bestehen aus Gefühlen, Körperreaktionen und Denken. Emotionsregulation, also Selbststeuerung, geschieht vereinfacht gesagt dann, wenn ich wahrnehme, was ich fühle, diese Wahrnehmung interpretiere und entscheide, was ich tun will.


Von Kindheit an entwickeln und verfeinern wir diese Fähigkeiten. Der Lehrplan, an dem Lehrpersonen ihr schulisches Handeln ausrichten, definiert für Kinder und Jugendliche personale und soziale Kompetenzen, die sie im Lauf ihrer Schulzeit, aber auch darüber hinaus, aufbauen und trainieren sollen. Basis jeder Kompetenzentwicklung ist die Fähigkeit zur Emotionsregulation. Ohne seine Gefühle wahnehmen und einordnen zu können ist es unmöglich, sich bewusst zurückzuhalten oder einzubringen, für sich oder andere zu sorgen, Konflikte gewaltfrei zu lösen oder konzentriert an einer Arbeit zu bleiben.

Das kleine Kind lernt, Gefühle im eigenen Körper zu erkennen, zu benennen, und es lernt, welche Reaktionen förderlich sind und welche schaden. Zugleich lernt es, Gefühle im Gesicht oder über die Körperhaltung des Gegenübers zu "lesen" und versucht dann, passend darauf zu reagieren.

In der Regel arbeiten wir auch als Erwachsene daran weiter.


Viele Probleme sowohl in der Schule als auch in der Erwachsenenwelt entstehen dadurch, dass Menschen sich selbst oder das Gegenüber nicht gut wahrnehmen können. Ihnen fehlt der Zugang zur Körperempfindung oder die Interpretation des (Körper)Ausdrucks des Gegenübers misslingt. Oft geschieht dies in Drucksituationen, aus mangelnder Achtsamkeit. Oft fehlt es aber auch an der Fähigkeit, den eigenen Körper differenziert wahrzunehmen.


Stressreaktionen, Erschöpfung, Wutausbrüche, Konzentrationsschwierigkeiten, sie alle sind eng verknüpft mit dem Körper. Er gibt Signale, die gehört sein wollen. Oder über den Körper ist es möglich, das Gefühl zu beeinflussen.


Auch wenn unsere Welt zunehmend hedonistisch erscheint, der Körper, sein Aussehen und die Bequemlichkeit im Mittelpunkt steht, ist es um die Körperwahrnehmung eher schlecht gestellt. Funktionieren soll er, schön sein soll er, möglichst nicht stören.


Körperwahrnehmung lässt sich aber üben. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist dies sogar ein Muss. Die Instrumente dafür sind in jeder Schule und in den meisten Kinderzimmern zu finden: Spiel- und Sportgeräte, Maluntensilien, Musikinstrumente. Dass dabei Leistung keine Zielgrösse sein kann, versteht sich von selbst.


Insbesondere Zeichnen, Malen und Kunstbetrachtungen bieten sich an, über Gefühle und Emotionen zu sprechen, diese wahrzunehmen und auszudrücken ohne zu werten. Strukturierungsfähigkeit, Experimentierfreudigkeit, Konzentrationsfähigkeit werden geschult im Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Aufgaben. Der Link zur Körperwahrnehmung und Emotionsregulation geschieht über die Reflexion, das Nachdenken, die dem Eintauchen in die Aufgabe folgen. Der Prozess ist dabei genau so wichtig, wie das Produkt. Letzteres muss nicht "schön" sein, keiner bestimmten Norm genügen, wenn die Emotionen im Zentrum stehen.

Wie kann ich mit Farben Freude ausdrücken? Wie kann ich ein Bild verändern, damit es düster wirkt? Wie geht es mir, wenn die leichten Aquarellfarben in einander fliessen und sich Strukturen verwischen? Wie fühlt sich mein Körper an, wenn ich Muster zeichne? Im Gespräch können bereits junge Kinder Auskunft geben und sich ihren Empfindungen annähern.


Noch weit entfernt von Kunsttherapie kann im täglichen Schulunterricht aber auch über das Zeichnen und Malen im Erwachsenenalter der Zugang gefunden werden zur Wahrnehmung eigener Stimmungen, emotionalem Ein- und Ausdruck,

Emotionsregulation und Kommunkationskompetenz. Probier es aus. Es macht Freude.








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